Vorstellungen von Liebe

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© Khoroshunova Olga
17.05.2009

Noch nie zuvor gab es in Deutschland so viele Single-Haushalte. Warum nur sind Beziehungen heute nicht mehr so stabil wie früher? Die Hamburger Psychotherapeutin Claudia Clasen-Holzberg erläutert, warum viele Menschen heute an der Liebe scheitern.

Von vier auf sechzehn Millionen ist die Anzahl der Single-Haushalte in Deutschland seit den Sechziger Jahren gestiegen. Dass Beziehungen heute weniger stabil sind, liegt nach Auffassung der Psychotherapeutin Claudia Clasen-Holzberg an überzogenen Ansprüchen. Der Anspruch an sich selbst und an den Partner, Nähe herzustellen, sei so gestiegen, dass daraus fast schon so etwas wie eine Ersatzreligion geworden sei, sagte sie im Interview mit Spiegel Online. Gemeint sei damit ein überhöhtes Beziehungsideal, die Tatsache, dass wir von unseren Partnern erwarten, dass sie uns glücklich machen und perfekt zu uns passen. Daraus baue sich eine so große Erwartung an eine Beziehung auf, dass viele Menschen davor zurückschrecken, sich überhaupt auf jemanden einzulassen.

Andere Werte

Wenn der Partner diese Wünsche nicht erfüllen könne, führe das zu extremer Abwehr. Den Grund, warum dies heute schneller und häufiger passiert als vor fünfzig Jahren, sieht die Psychotherapeuten darin, dass Beziehungen heute nicht mehr wirtschaftlich, sondern emotional begründet seien. Das war damals anders. "Das Gefühlvolle", so Clasen-Holzberg, " hatte nicht so einen hohen Stellenwert wie heute. Deshalb ist den Menschen der Verzicht auf Nähe und Intimität nicht so schwer gefallen, er war ihnen wahrscheinlich nicht einmal besonders bewusst. Wichtig war ihnen zu wissen, dass die Ehe stabil ist und dass die Kinder ökonomisch abgesichert aufwachsen."

Hoffnung in der Krise

Gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise könne das starke Bedürfnis der Menschen nach emotonaler Nähe aber deutlich besser ausgelebt werden. Werte wie Solidarität, Loyalität und Gemeinschaft werden nach Ansicht der Psychotherapeutin wieder bedeutend. "Wenn es wieder wichtig würde, sich aufeinander zu verlassen und für einander einzustehen, selbst wenn man dafür etwas aufgeben muss, dann hätte diese Krise auch einen positiven Effekt. Dem menschlichen Grundbedürfnis nach Nähe und Bindung käme so eine Wandlung sehr entgegen", so Clasen-Holzberg.

(sh)
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