Kriegsspiele gegen Völkerrecht
City- & Szenenews
25.11.2009
Schweizer Verbände kritisieren ungestraftes Foltern in Call of Duty und Co. Damit verletze manches Kriegsspiel grundlegende Völkerrechtsregeln.
Viele Computer- und Videospiele, in denen kriegerische Handlungen vorkommen, verleiten die Spielenden zu völkerrechtswidrigem Verhalten. Zu dieser Erkenntnis kommt ein aktuell vorgelegter Bericht der Schweizer Verbände Pro Juventute und TRIAL, die gemeinsam geprüft haben, ob und wie Kriegsspiele auf dem PC oder der Konsole das humanitäre Völkerrecht berücksichtigen. "Das Ergebnis ist so ernüchternd wie die Realität", so das Resümee der Untersuchung.
Die Auswertung von rund 20 ausgewählten Kriegsspielen - darunter Call of Duty 4 und 5, Metal Gear Solid 4, Soldier of Fortune oder Far Cry 2 - habe klar gezeigt, dass die Regeln des humanitären Völkerrechts in vielen Fällen nicht Teil der Spielanlage seien. "Dies erstaunt auf den ersten Blick nicht, werden Computerspiele ja nicht zum Zweck der didaktischen Vermittlung des Kriegsrechts sondern zur Unterhaltung produziert. Dennoch erstaunt das praktisch vollständige Fehlen entsprechender Spielregeln oder Sanktionen im Game", kritisieren die Schweizer Organisationen.
Games sind kein rechtsfreier Raum
"In Computer- und Videospielen wird oft Gewalt gezeigt und Spielende werden virtuell gewalttätig. Computerspiele sind aber weder rechts- noch ethikfreie Räume", stellen Pro Juventute und TRIAL klar. Daher wäre es zu begrüßen, wenn in Spielanlagen fiktiver Kriege auch jene Normen gelten würden, die in realen bewaffneten Konflikten einzuhalten sind. Diese Normen und Werte würden vom humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten gesetzt und hätten die Aufgabe, übermäßige Gewalt auszugrenzen und die Menschenwürde besonders gefährdeter Personengruppen zu schützen, betonen die beiden Schweizer Verbände.
Ungestraftes Töten und sanktionsloses Foltern
Die Realität in den Spielewelten sehe aber anders aus. Zivilpersonen oder geschützte Objekte wie Kirchen und Moscheen könnten ungestraft angegriffen werden, in Verhörszenen seien sanktionslos Folter und unmenschliches oder erniedrigendes Verhalten möglich. Sogar die Simulation außergerichtlicher Hinrichtungen sei vorgekommen. Immerhin existieren einzelne Spiele, in welchen Tötungen von Zivilpersonen geahndet oder schonende Spielstrategien belohnt werden.
Games wollen unterhalten
"Ich halte diesen Kritikansatz für völlig falsch gewählt. Kriegsspiele haben nicht die Intention, die Realität abzubilden, sondern zu unterhalten", meint Hans Solar, Videospielexperte und Lehrgangsleiter am Wiener Games College, auf Nachfrage von pressetext. Games seien dabei prinzipiell nicht anders zu behandeln als das Medium Film. "Bei Kriegs- oder Horrorfilmen werden auch reihenweise Menschen abgeschlachtet. Entscheidend dafür, dass dies geduldet wird, ist der Umstand, dass es sich um ein Unterhaltungsmedium handelt", erläutert Solar.
Sicher gebe es dem Experten zufolge auch einige Spieleproduktionen, bei denen das Game-Design in einigen Situationen in puncto Brutalität als übertrieben und unangemessen zu bezeichnen sei. "Bei Kriegsspielen ist ein entsprechend gestaltetes Setting die Grundvoraussetzung, um die von den Spielern gesuchte Atmosphäre zu erzeugen. Einiges, was die Nutzer in diesen Settings erwartet, ist aber sicherlich unnötig und trägt auch nicht zur Hebung des Spielspaßes bei", so Solar abschließend.
(pte / pb)
Schweizer Verbände kritisieren ungestraftes Foltern in Call of Duty und Co. Damit verletze manches Kriegsspiel grundlegende Völkerrechtsregeln.
Viele Computer- und Videospiele, in denen kriegerische Handlungen vorkommen, verleiten die Spielenden zu völkerrechtswidrigem Verhalten. Zu dieser Erkenntnis kommt ein aktuell vorgelegter Bericht der Schweizer Verbände Pro Juventute und TRIAL, die gemeinsam geprüft haben, ob und wie Kriegsspiele auf dem PC oder der Konsole das humanitäre Völkerrecht berücksichtigen. "Das Ergebnis ist so ernüchternd wie die Realität", so das Resümee der Untersuchung.
Die Auswertung von rund 20 ausgewählten Kriegsspielen - darunter Call of Duty 4 und 5, Metal Gear Solid 4, Soldier of Fortune oder Far Cry 2 - habe klar gezeigt, dass die Regeln des humanitären Völkerrechts in vielen Fällen nicht Teil der Spielanlage seien. "Dies erstaunt auf den ersten Blick nicht, werden Computerspiele ja nicht zum Zweck der didaktischen Vermittlung des Kriegsrechts sondern zur Unterhaltung produziert. Dennoch erstaunt das praktisch vollständige Fehlen entsprechender Spielregeln oder Sanktionen im Game", kritisieren die Schweizer Organisationen.
Games sind kein rechtsfreier Raum
"In Computer- und Videospielen wird oft Gewalt gezeigt und Spielende werden virtuell gewalttätig. Computerspiele sind aber weder rechts- noch ethikfreie Räume", stellen Pro Juventute und TRIAL klar. Daher wäre es zu begrüßen, wenn in Spielanlagen fiktiver Kriege auch jene Normen gelten würden, die in realen bewaffneten Konflikten einzuhalten sind. Diese Normen und Werte würden vom humanitären Völkerrecht und den Menschenrechten gesetzt und hätten die Aufgabe, übermäßige Gewalt auszugrenzen und die Menschenwürde besonders gefährdeter Personengruppen zu schützen, betonen die beiden Schweizer Verbände.
Ungestraftes Töten und sanktionsloses Foltern
Die Realität in den Spielewelten sehe aber anders aus. Zivilpersonen oder geschützte Objekte wie Kirchen und Moscheen könnten ungestraft angegriffen werden, in Verhörszenen seien sanktionslos Folter und unmenschliches oder erniedrigendes Verhalten möglich. Sogar die Simulation außergerichtlicher Hinrichtungen sei vorgekommen. Immerhin existieren einzelne Spiele, in welchen Tötungen von Zivilpersonen geahndet oder schonende Spielstrategien belohnt werden.
Games wollen unterhalten
"Ich halte diesen Kritikansatz für völlig falsch gewählt. Kriegsspiele haben nicht die Intention, die Realität abzubilden, sondern zu unterhalten", meint Hans Solar, Videospielexperte und Lehrgangsleiter am Wiener Games College, auf Nachfrage von pressetext. Games seien dabei prinzipiell nicht anders zu behandeln als das Medium Film. "Bei Kriegs- oder Horrorfilmen werden auch reihenweise Menschen abgeschlachtet. Entscheidend dafür, dass dies geduldet wird, ist der Umstand, dass es sich um ein Unterhaltungsmedium handelt", erläutert Solar.
Sicher gebe es dem Experten zufolge auch einige Spieleproduktionen, bei denen das Game-Design in einigen Situationen in puncto Brutalität als übertrieben und unangemessen zu bezeichnen sei. "Bei Kriegsspielen ist ein entsprechend gestaltetes Setting die Grundvoraussetzung, um die von den Spielern gesuchte Atmosphäre zu erzeugen. Einiges, was die Nutzer in diesen Settings erwartet, ist aber sicherlich unnötig und trägt auch nicht zur Hebung des Spielspaßes bei", so Solar abschließend.
(pte / pb)
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