Bundesweiter Bildungsstreik
City- & Szenenews
17.06.2009
Über 200.000 Schüler und Studenten streikten heute bundesweit. Wegen Sturms auf einen Landtag droht eine Strafanzeige.
Bundesweit wurde heute für eine bessere Bildung demonstriert. Vor allem in Berlin und Nordrhein-Westfalen machten Schüler und Studenten durch Streiks, Demos und Kundgebungen auf die Probleme im deutschen Bildungssystem aufmerksam.
Schule = Dauerstressfabrik zum Auswendiglernen?
Dabei geht es zum einen um überfüllte Klassen, überforderte Lehrer und das sogenannte Turbo-Abi, d.h. das Abitur nach nur 12 Schuljahren. In der Kritik heißt es, die Verkürzung der Schulzeit sei überhastet eingeführt worden. Zudem wird vielerorts bemängelt, dass Schüler durch das gedrängte Lernpensum kaum noch Freizeit hätten und ihre Nachmittage ausschließlich mit Lernen bzw. Nachhilfe verbrächten. Schon Sechstklässler hätten regelmäßig nachmittags Unterricht, äußerte im Deutschlandfunk eine Studentin, die sich mit den Nöten und Forderungen der Schüler solidarisch zeigte.
Uni = Ausbildung zu Fachidioten?
Auch an den Universitäten werden Missstände wie überfüllte Seminare beklagt. Vor allem aber die im Rahmen des Bologna-Prozesses verkürzten Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschlüssen stehen in der Kritik. Von einer umfassenden Bildung kann nach Ansicht der Kritiker bei den neuen, strikt auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Universitäten keine Rede mehr sein. Auch der fachspezifische Stoff werde zu gedrängt vermittelt, was zu Überlastung und vermehrtem Studienabbruch führe.
Hochschulabschluss nur für Reiche?
Zudem fänden viele Studenten durch die neuen komprimierten Studiengänge keine Zeit mehr, neben dem Studium zu arbeiten, was Studenten aus ärmeren Elternhäusern tendenziell von der Universität ausschließt. In diesem Zusammenhang wurden auch die in den unionsgeführten Bundesländern eingeführten Studiengebühren kritisiert.
Kritik der Kritik
Zum Glück berichtet auch die unabhängige BILD zum Thema und klärt den Leser auf, dass Studiengebühren in allen anderen Industrieländern "mit großem Erfolg" erhoben würden. Dass es hier von Land zu Land gravierende Unterschiede gibt, ist dem Blatt keine Zeile wert, und auch der "große Erfolg" wird nicht näher benannt. Der könnte allerdings in der Verfestigung gesellschaftlicher Unterschiede zwischen Armen und Reichen bestehen. Lieber schürt das Blatt das gängige Vorurteil gegen "Bummelstudenten".
Bildungsministerin reagiert
Eine Antwort auf die Proteste kam heute von Bildungsministerin Anette Schavan. Die CDU-Politikerin sagte im Deutschlandfunk, sie sei "sehr einverstanden", wenn sich Schüler und Studenten mit dem Bildungssystem beschäftigten. Man müsse jedoch auch Fakten zur Kenntnis nehmen: "Wer sagt, wir müssen Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europäischen Bildungsraums ist." Allerdings räumte auch Schavan ein, dass an einigen Stellen "nachgebessert" werden müsse. Im Juli will Schavan diesbezüglich zu einer Konferenz einladen.
Nachsitzen ...
Auf die Forderungen der Schüler liegt indes bislang keine Reaktion vor. Für einige der streikenden Schüler könnte ihr Einsatz stattdessen unerwünschte Folgen haben. So betonte ein Sprecher des NRW-Bildungsministeriums, es gebe für Schüler "kein politisches Streikrecht". Ihr Fernbleiben vom Unterricht gilt als Schuleschwänzen. Mit den streikenden Schülern wird man vermutlich von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule unterschiedlich umgehen, Schulverweise könnten die Folge sein.
Randale im Landtag
Schärfere Reaktionen werden protestierende Schüler und Studenten in Mainz gewärtigen müssen: Einige von ihnen stürmten im Anschluss an eine Kundgebung das Abgeordnetenhaus des rheinland-pfälzischen Landtags und richteten dort "erhebliche Schäden" an. So hätten die Eindringlinge "Wände mit Parolen beschmiert, Aufkleber hinterlassen und Teile einer Ausstellung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls entwendet". Auch seien große Mengen Toilettenpapier im Gebäude verteilt worden, zitiert tagesschau.de Landtagssprecher Dieter Lang. Er geht davon aus, dass eine Strafanzeige gestellt werde. Ein Sprecher des Mainzer AStAs habe allerdings bestritten, dass es bei der Aktion zu größeren Schäden gekommen sei.
(ur)
Über 200.000 Schüler und Studenten streikten heute bundesweit. Wegen Sturms auf einen Landtag droht eine Strafanzeige.
Bundesweit wurde heute für eine bessere Bildung demonstriert. Vor allem in Berlin und Nordrhein-Westfalen machten Schüler und Studenten durch Streiks, Demos und Kundgebungen auf die Probleme im deutschen Bildungssystem aufmerksam.
Schule = Dauerstressfabrik zum Auswendiglernen?
Dabei geht es zum einen um überfüllte Klassen, überforderte Lehrer und das sogenannte Turbo-Abi, d.h. das Abitur nach nur 12 Schuljahren. In der Kritik heißt es, die Verkürzung der Schulzeit sei überhastet eingeführt worden. Zudem wird vielerorts bemängelt, dass Schüler durch das gedrängte Lernpensum kaum noch Freizeit hätten und ihre Nachmittage ausschließlich mit Lernen bzw. Nachhilfe verbrächten. Schon Sechstklässler hätten regelmäßig nachmittags Unterricht, äußerte im Deutschlandfunk eine Studentin, die sich mit den Nöten und Forderungen der Schüler solidarisch zeigte.
Uni = Ausbildung zu Fachidioten?
Auch an den Universitäten werden Missstände wie überfüllte Seminare beklagt. Vor allem aber die im Rahmen des Bologna-Prozesses verkürzten Studiengänge mit Bachelor- und Master-Abschlüssen stehen in der Kritik. Von einer umfassenden Bildung kann nach Ansicht der Kritiker bei den neuen, strikt auf Wirtschaftlichkeit ausgerichteten Universitäten keine Rede mehr sein. Auch der fachspezifische Stoff werde zu gedrängt vermittelt, was zu Überlastung und vermehrtem Studienabbruch führe.
Hochschulabschluss nur für Reiche?
Zudem fänden viele Studenten durch die neuen komprimierten Studiengänge keine Zeit mehr, neben dem Studium zu arbeiten, was Studenten aus ärmeren Elternhäusern tendenziell von der Universität ausschließt. In diesem Zusammenhang wurden auch die in den unionsgeführten Bundesländern eingeführten Studiengebühren kritisiert.
Kritik der Kritik
Zum Glück berichtet auch die unabhängige BILD zum Thema und klärt den Leser auf, dass Studiengebühren in allen anderen Industrieländern "mit großem Erfolg" erhoben würden. Dass es hier von Land zu Land gravierende Unterschiede gibt, ist dem Blatt keine Zeile wert, und auch der "große Erfolg" wird nicht näher benannt. Der könnte allerdings in der Verfestigung gesellschaftlicher Unterschiede zwischen Armen und Reichen bestehen. Lieber schürt das Blatt das gängige Vorurteil gegen "Bummelstudenten".
Bildungsministerin reagiert
Eine Antwort auf die Proteste kam heute von Bildungsministerin Anette Schavan. Die CDU-Politikerin sagte im Deutschlandfunk, sie sei "sehr einverstanden", wenn sich Schüler und Studenten mit dem Bildungssystem beschäftigten. Man müsse jedoch auch Fakten zur Kenntnis nehmen: "Wer sagt, wir müssen Bachelor- und Masterstudiengänge wieder abschaffen, der nimmt nicht zur Kenntnis, dass Deutschland Teil des europäischen Bildungsraums ist." Allerdings räumte auch Schavan ein, dass an einigen Stellen "nachgebessert" werden müsse. Im Juli will Schavan diesbezüglich zu einer Konferenz einladen.
Nachsitzen ...
Auf die Forderungen der Schüler liegt indes bislang keine Reaktion vor. Für einige der streikenden Schüler könnte ihr Einsatz stattdessen unerwünschte Folgen haben. So betonte ein Sprecher des NRW-Bildungsministeriums, es gebe für Schüler "kein politisches Streikrecht". Ihr Fernbleiben vom Unterricht gilt als Schuleschwänzen. Mit den streikenden Schülern wird man vermutlich von Bundesland zu Bundesland und von Schule zu Schule unterschiedlich umgehen, Schulverweise könnten die Folge sein.
Randale im Landtag
Schärfere Reaktionen werden protestierende Schüler und Studenten in Mainz gewärtigen müssen: Einige von ihnen stürmten im Anschluss an eine Kundgebung das Abgeordnetenhaus des rheinland-pfälzischen Landtags und richteten dort "erhebliche Schäden" an. So hätten die Eindringlinge "Wände mit Parolen beschmiert, Aufkleber hinterlassen und Teile einer Ausstellung zum 20. Jahrestag des Mauerfalls entwendet". Auch seien große Mengen Toilettenpapier im Gebäude verteilt worden, zitiert tagesschau.de Landtagssprecher Dieter Lang. Er geht davon aus, dass eine Strafanzeige gestellt werde. Ein Sprecher des Mainzer AStAs habe allerdings bestritten, dass es bei der Aktion zu größeren Schäden gekommen sei.
(ur)
weitere Nachrichten aus der Kategorie City- & Szenenews:
Diskriminierung oder lediglich polizeiliche Erfahrung? Weil ihn ein Bundespolizist aufgrund seiner Hautfarbe kontrollierte, erstattete ein dunkelhäutiger Deutscher Anzeige - und verlor.
» mehr lesen
38 Kommentare
In Großbritannien steigt der Absatz erotischer E-Books. Auch in Deutschland könnte das unerkannte Konsumieren erotisch-brisanter Geschichten Schule machen.
» mehr lesen
Am 4. August fällt der Startschuss für die nächtliche Laufveranstaltung in Rostock. Der persönliche Startschuss aber kann bereits jetzt abgefeuert werden - was nicht nur sportliche Vorteile birgt.
» mehr lesen



