Lost in Leipzig - Mein erstes Mal Buchmesse
Kolumne
17.03.2008
Wir hätten es besser wissen müssen: Der Samstag ist der denkbar ungünstigste Tag für einen Besuch der Leipziger Buchmesse. Vor allem für unerfahrene Messebesucher wie uns. Schon am Hauptbahnhof laufen sich die angereisten Besucher fast gegenseitig um. Viele von ihnen sind interessant anzusehen: Dank Manga-Abteilung bietet die Leipziger Buchmesse Fans aus ganz Deutschland eine Plattform. Unzählige Besucher, kleine wie große, kommen als Superhelden verkleidet, mit ausgefallenen Frisuren, Make-up und Manga-Kostümen. So ziehen sie durch die Stadt und machen aus der Buchmesse einen wahren Manga-Karneval.
Durch die Hallen geschoben
Im überfüllten Zug und mit vielen Superhelden an Bord geht es zum Messegelände. Die Schlange an der Kasse ist endlos. Gott sei Dank haben wir unsere Tickets online gekauft und ausgedruckt. So können wir an den Wartenden vorbeiziehen. Und schon sind wir mittendrin. Aus Angst etwas zu verpassen, lasse ich mich zunächst im Gleichstrom der Menschenmassen ziellos durch die Messehallen schieben. Unzählige Verlagsnamen ziehen an mir vorbei, ich sehe Stände über Stände und Auslagen mit gestapelten, getürmten, gelehnten und gehängten Büchern.
Alles und nichts
Meine Augen saugen alles auf und doch muss ich mir nach den ersten Stunden eingestehen: Eigentlich habe ich nichts gesehen. Auch nichts gelesen oder gehört. Mir fehlt die Ruhe, näher zu treten und mir das riesige Angebot genauer anzuschauen, mich in Gesprächen über Neuerscheinungen zu informieren. Ich habe keine Muße, an den zahlreichen Stationen des Hörbuchbereichs in verschiedene Aufnahmen reinzuhören. Ich setze mich auch nicht hin, um mich dem ein oder anderen Buch zu widmen. Letzteres könnte ich durchaus, denn für Sitzgelegenheiten ist gesorgt. Neben den Regalen, zwischen den Ständen, in den Gängen, an den Ecken – überall stehen Stühle und Tische bereit. Bereit für interessierte Besucher mit interessanten Büchern. Bereit auch für erschöpfte Messebesucher, die ausscheren und ihren Veranstaltungsplan studieren wollen. Wenn es nur nicht so voll wäre.
Einige weniger überforderte Besucher lauschen in bequemen Sesseln sitzend Hörbüchern, andere verweilen am Stand von „Hörspielsommer e.V.“ mit geschlossenen Augen in Liegestühlen. Beneidenswert. Auch die Kinder in Halle 2 stören sich nicht am Getöse, der trockenen Luft und den Menschenhorden. Man muss öfter mal aufpassen, wo man hin tritt - viele kleine Besucher haben es sich mit Büchern auf dem Boden gemütlich gemacht.
Lesungen mit Hallenatmosphäre
Wir jedenfalls machen uns erst einmal einen Plan. Das hätten wir mal besser schon vor unserer Ankunft getan. Auf dem Weg zu einer Buchvorstellung kommt ein junges Kamerateam eines Regionalsenders auf uns zu und fragt uns nach unseren Highlights. Dumm, dass wir bisher noch keine erlebt haben. Doch bald darauf folgt endlich eins: Mark Spörrle und Lutz Schuhmacher stellen ihr Buch „Senk ju vor träwelling: Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen“ vor. Wir haben sogar einen Sitzplatz und ich kann mich zum ersten Mal seit meiner Ankunft auf dem Messegelände auf etwas konzentrieren. Der Geräuschpegel ist jedoch hoch. Ab und an hört man den Applaus anderer zu Ende gegangener Lesungen und Talks.
Auf dem Weg zu Bastian Sick sehe ich den Stand von Scientology. Hier gibt es, natürlich, massenhaft Lektüre von L. Ron Hubbard. Die Scientologen haben direkt auch ihre Auditing-Gerätschaften mitgebracht: Der E-Meter steht zum kostenlosen „Stress-Test“ für die Besucher bereit. Doch am Auditing-Tisch sitzt niemand. Stattdessen diskutieren einige Besucher mit den Standeigentümern.
Bastian Sick erzählt im Interview von seiner ungewöhnlichen Karriere und gibt selbstverständlich einige amüsante Beispiele aus dem Irrgarten der deutschen Sprache zum Besten. Wieder ein bisschen aufgetankt, danach einmal mehr im Menschenslalom durch die Halle.
Wo bitte geht's zur frischen Luft?
Als wir am Samstag zum letzten Mal durch die Tunnel gehen, die die Messehallen miteinander verbinden, muss ich mir unwillkürlich vorstellen, wie ich im Krankenbett zu einer OP gefahren werde. Höchste Zeit für frische Luft. 18 Uhr schieben sich die vielen Menschen mit ihren kostenlosen Zeitungen und Flyern in ihren 3-sat und arte-Beuteln vom Messegelände. Wir sind vollkommen erschöpft und können uns am Abend nicht mehr aufraffen, eine Lesung im Rahmen des Lesefestes „Leipzig liest“ zu besuchen.
Am Sonntag gehen wir noch einmal auf die Messe. In der Messebuchhandlung finden sich „Wir sind Helden“ zur Signierstunde ein. Einen Redakteur des Jugendmagazins „Spiesser“ besiegen wir beide im Schnick Schnack Schnuck und gewinnen Preise. Die trockene Luft stört uns auch heute. Einige Male begeben wir uns deshalb auf die Suche nach einer „Outdoor-Area“. Schließlich setzen wir uns zu den Lektoren am Stand des Hinstorff-Verlags. Ein kleines Stück Heimat auf der riesigen Messe. Hier lassen wir unseren zweiten Ausflug zum Messegelände ausklingen.
Alles anders
Später im Zug sitzen wir neben 15-jährigen Mädchen in Manga-Montur, die inbrünstig japanisches Liedgut singen und aufgeregt ihre Poster und Comics hin und her tauschen. Auf der Fahrt beschließen wir, beim nächsten Mal alles anders zu machen. Nur kurz und ganz gezielt würden wir auf die Messe gehen. Und dann lieber abends entspannt zu ein paar Lesungen in die Leipziger Innenstadt. Bloß nicht noch mal so einen Messehallenkoller.
Suse
Wir hätten es besser wissen müssen: Der Samstag ist der denkbar ungünstigste Tag für einen Besuch der Leipziger Buchmesse. Vor allem für unerfahrene Messebesucher wie uns. Schon am Hauptbahnhof laufen sich die angereisten Besucher fast gegenseitig um. Viele von ihnen sind interessant anzusehen: Dank Manga-Abteilung bietet die Leipziger Buchmesse Fans aus ganz Deutschland eine Plattform. Unzählige Besucher, kleine wie große, kommen als Superhelden verkleidet, mit ausgefallenen Frisuren, Make-up und Manga-Kostümen. So ziehen sie durch die Stadt und machen aus der Buchmesse einen wahren Manga-Karneval.
Durch die Hallen geschoben
Im überfüllten Zug und mit vielen Superhelden an Bord geht es zum Messegelände. Die Schlange an der Kasse ist endlos. Gott sei Dank haben wir unsere Tickets online gekauft und ausgedruckt. So können wir an den Wartenden vorbeiziehen. Und schon sind wir mittendrin. Aus Angst etwas zu verpassen, lasse ich mich zunächst im Gleichstrom der Menschenmassen ziellos durch die Messehallen schieben. Unzählige Verlagsnamen ziehen an mir vorbei, ich sehe Stände über Stände und Auslagen mit gestapelten, getürmten, gelehnten und gehängten Büchern.
Alles und nichts
Meine Augen saugen alles auf und doch muss ich mir nach den ersten Stunden eingestehen: Eigentlich habe ich nichts gesehen. Auch nichts gelesen oder gehört. Mir fehlt die Ruhe, näher zu treten und mir das riesige Angebot genauer anzuschauen, mich in Gesprächen über Neuerscheinungen zu informieren. Ich habe keine Muße, an den zahlreichen Stationen des Hörbuchbereichs in verschiedene Aufnahmen reinzuhören. Ich setze mich auch nicht hin, um mich dem ein oder anderen Buch zu widmen. Letzteres könnte ich durchaus, denn für Sitzgelegenheiten ist gesorgt. Neben den Regalen, zwischen den Ständen, in den Gängen, an den Ecken – überall stehen Stühle und Tische bereit. Bereit für interessierte Besucher mit interessanten Büchern. Bereit auch für erschöpfte Messebesucher, die ausscheren und ihren Veranstaltungsplan studieren wollen. Wenn es nur nicht so voll wäre.
Einige weniger überforderte Besucher lauschen in bequemen Sesseln sitzend Hörbüchern, andere verweilen am Stand von „Hörspielsommer e.V.“ mit geschlossenen Augen in Liegestühlen. Beneidenswert. Auch die Kinder in Halle 2 stören sich nicht am Getöse, der trockenen Luft und den Menschenhorden. Man muss öfter mal aufpassen, wo man hin tritt - viele kleine Besucher haben es sich mit Büchern auf dem Boden gemütlich gemacht.
Lesungen mit Hallenatmosphäre
Wir jedenfalls machen uns erst einmal einen Plan. Das hätten wir mal besser schon vor unserer Ankunft getan. Auf dem Weg zu einer Buchvorstellung kommt ein junges Kamerateam eines Regionalsenders auf uns zu und fragt uns nach unseren Highlights. Dumm, dass wir bisher noch keine erlebt haben. Doch bald darauf folgt endlich eins: Mark Spörrle und Lutz Schuhmacher stellen ihr Buch „Senk ju vor träwelling: Wie Sie mit der Bahn fahren und trotzdem ankommen“ vor. Wir haben sogar einen Sitzplatz und ich kann mich zum ersten Mal seit meiner Ankunft auf dem Messegelände auf etwas konzentrieren. Der Geräuschpegel ist jedoch hoch. Ab und an hört man den Applaus anderer zu Ende gegangener Lesungen und Talks.
Auf dem Weg zu Bastian Sick sehe ich den Stand von Scientology. Hier gibt es, natürlich, massenhaft Lektüre von L. Ron Hubbard. Die Scientologen haben direkt auch ihre Auditing-Gerätschaften mitgebracht: Der E-Meter steht zum kostenlosen „Stress-Test“ für die Besucher bereit. Doch am Auditing-Tisch sitzt niemand. Stattdessen diskutieren einige Besucher mit den Standeigentümern.
Bastian Sick erzählt im Interview von seiner ungewöhnlichen Karriere und gibt selbstverständlich einige amüsante Beispiele aus dem Irrgarten der deutschen Sprache zum Besten. Wieder ein bisschen aufgetankt, danach einmal mehr im Menschenslalom durch die Halle.
Wo bitte geht's zur frischen Luft?
Als wir am Samstag zum letzten Mal durch die Tunnel gehen, die die Messehallen miteinander verbinden, muss ich mir unwillkürlich vorstellen, wie ich im Krankenbett zu einer OP gefahren werde. Höchste Zeit für frische Luft. 18 Uhr schieben sich die vielen Menschen mit ihren kostenlosen Zeitungen und Flyern in ihren 3-sat und arte-Beuteln vom Messegelände. Wir sind vollkommen erschöpft und können uns am Abend nicht mehr aufraffen, eine Lesung im Rahmen des Lesefestes „Leipzig liest“ zu besuchen.
Am Sonntag gehen wir noch einmal auf die Messe. In der Messebuchhandlung finden sich „Wir sind Helden“ zur Signierstunde ein. Einen Redakteur des Jugendmagazins „Spiesser“ besiegen wir beide im Schnick Schnack Schnuck und gewinnen Preise. Die trockene Luft stört uns auch heute. Einige Male begeben wir uns deshalb auf die Suche nach einer „Outdoor-Area“. Schließlich setzen wir uns zu den Lektoren am Stand des Hinstorff-Verlags. Ein kleines Stück Heimat auf der riesigen Messe. Hier lassen wir unseren zweiten Ausflug zum Messegelände ausklingen.
Alles anders
Später im Zug sitzen wir neben 15-jährigen Mädchen in Manga-Montur, die inbrünstig japanisches Liedgut singen und aufgeregt ihre Poster und Comics hin und her tauschen. Auf der Fahrt beschließen wir, beim nächsten Mal alles anders zu machen. Nur kurz und ganz gezielt würden wir auf die Messe gehen. Und dann lieber abends entspannt zu ein paar Lesungen in die Leipziger Innenstadt. Bloß nicht noch mal so einen Messehallenkoller.
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